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Rathaus Kunreuth

Rathaus vor der Renovierung im Jahr 2000 Rathaus nach der Renovierung im Jahr 2004
Rathaus vor der Sanierung im Jahr 2000
Rathaus nach der Sanierung im Jahr 2004


Wir stehen vor einem Gebäude, das im Rahmen des Denkmalschutzes in den Jahren 2002 bis 2004 saniert wurde. Dabei hat es wieder sein Gesicht aus der Zeit seiner Erbauung in der Zeit des Barock erhalten.


Erbaut wurde es um 1730 von Freiherr Carl Maximilian von und zu Egloffstein, Kaiserlicher Rat und Ritterhauptmann des Kantons Gebürg der reichsunmittelbaren freien Ritterschaft Landes zu Franken, auch Reichsritterschaft genannt. Das Haus diente als Kanzlei des Kantons Gebürg der fränkischen Reichsritterschaft. Kunreuth war zu dieser Zeit eine Art Hauptort oder Verwaltungsssitz dieser durchaus bedeutenden Reichsorganisation. Mit Gebürg ist die Landschaft der fränkischen Schweiz gemeint. Was ist das, Reichsritterschaft? Die reichsfeien Adels- bzw. Ritterfamilien des späten Mittelalters, die sich keinem Landesherren (Herzog, Markgraf, Fürstbischof) unterstellt hatten, schlossen sich vor 1500 zu einer politischen Genossenschaft zusammen, in der sie ihre Interessen gegen Kaiser, Landesherren und Reichsstädte besser vertreten konnten als einzeln.


1555 wurde die Reichsritterschaft als reichsunmittelbar anerkannt und erhielt die Religionsfreiheit und die Kirchenhoheit über ihre Untertanen. Über den Reichsrittern stand also nur noch der Kaiser und die Reichsinstitutionen, wie das Reichskammergericht (heute Bundesgerichtshof), kein Fürst, kein Graf. Regional organisierten sich die Reichsritter in Kantonen (Bezirke wie in der Schweiz!) und wählten für jeden Kanton einen Ritterhauptmann, der dann die Außen- und Innenpolitik leitete.


Folgende Kantone gab es in Franken: Odenwald, Gebürg, Rhön-Werra, Steigerwald, Altmühl und Baunach.


Carl Maximilian von und zu Egloffstein verlegte während seiner Amtszeit den Sitz der Verwaltung und des Archivs des Ritterkantons Gebürg nach Kunreuth. Dadurch kam auch ein hauptstadttypischer Beamtenapparat zeitweise nach Kunreuth: Kantonsadvocat, Kantonssyndicus, Kanzlisten, Sekretäre, Truhenmeister (für die Finanzen!), Rechnungsführer, Kassier, Trompeter und Boten für Kurier- und Polizeidienste.


Damit ist dieses Haus, das heute das alte Rathaus von Kunreuth genannt wird, ein herausragend bedeutendes Zeugnis der großen Vergangenheit von Kunreuth. Heute strahlt es wieder im alten Glanz und ist ein Zentrum für die Kultur in Kunreuth!


Ursprungstext: Dr. Andreas Otto Weber, Kunreuth


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